Zum Inhalt springen

Petra Weber

 

Laudatio: BURONALE 2018 – Preisträgerin Rose Stach, Videoinstallation „Resistance“

Der BURONALE Videokunstpreis 2018 wird an die Künstlerin Rose Stach mit Ihrer Videoinstallation „Resistance“ verliehen.

Die Arbeit „Resistance“ kombiniert einen Videofilm mit einer Objektinstallation: Auf einem bunt gemusterten Orientteppich werden Filmsequenzen von Demonstrationen projiziert. Neben den protestierenden Menschen zeigen die Aufnahmen das gewaltsame Einschreiten der Polizei mittels Schlagstöcken oder Wasserwerfern. Die Szenen sind dem Internet entnommen und dokumentieren die Proteste gegen den Kastortransport Gorleben, die Demonstrationen zu Stuttgart 21 aus dem Jahr 2010 sowie die Ausschreitungen im Gezi-Park in Istanbul 2013. Obwohl die Bilder aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen stammen, sind sie aufeinander übertragbar und kommen einer Ikonographie der öffentlichen Ausschreitung gleich.

Die drastischen Bilder der Eskalation stehen in starkem Kontrast zum Bildgrund des Teppichs, der sinnbildlich für das Private und Behagliche steht. Bei der Betrachtung der Installation ist die volle Konzentration des Publikums gefordert: So springt das Auge kontinuierlich zwischen den Bildern der Aggression und der Brutalität und den Mustern des weichen Teppichs, die durch die bewegten Bilder wechselseitig hervorgehoben werden. Der Blick wird durch das dynamische Spiel der Formen gefangen genommen, um nur kurz darauf wieder von der Brutalität der Filmszenen aufgeschreckt zu werden. Die besondere Stärke der ausgezeichneten Arbeit liegt vor allem im eigentümlichen, fast widersprüchlichen Verhältnis von Bildgrund und Filmszenen. Das Private und das Öffentliche begegnen sich in „Resistance“ und ringen gleichsam um die Aufmerksamkeit des Betrachters.

Die Wirkung der Installation wird zusätzlich untermauert durch die Geräusche von immer lauter werdenden Schritten, Wasserwerfern oder Schlagstöcken. Der Ton verstärkt jeweils punktgenau einzelne Szenen und macht die Bilder der Gewalt in ihrer Drastik für den Betrachter schwer erträglich. Durch die sorgsam austarierte Kombination von Teppich, Projektion und Sound erzielt die Videoinstallation so eine eindrückliche, nachhaltige Wirkung, eine Art produktives Unbehagen, das zugleich nachdenklich macht und unter die Haut geht.

Rose Stachs Installation wirkt gleichzeitig als Augenöffner und Mahnung, angesichts der Flut an Informationen und Bildern, insbesondere auch Darstellungen von Gewalt, nicht abzustumpfen. „Resistance“ verhandelt schließlich nicht zuletzt Grundfesten unserer demokratischen Gesellschaft, die Demonstrations- und  die Meinungsfreiheit. Beide gilt es lebendig zu erhalten: In Form einer gelebten demokratischen Diskussionskultur, die im Idealfall auf den Einsatz von Gewalt und Waffen verzichten kann. Mit ihrer Videoinstallation „Resistance“ gelingt es Rose Stach, dies in einer überaus wirkungsvollen und zugleich künstlerisch und ästhetisch überzeugenden Form vor Augen zu führen. Die gelungene Kombination von Inhalt und Form macht Rose Stach mit ihrer Arbeit „Resistance“ zu einer verdienten Preisträgerin des BURONALE Videokunstpreises.

Petra Weber M.A., Museumsleiterin, Stadtmuseum Kaufbeuren

 

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: